Energiewirtschaft
Genehmigungsmanagement im Reifegradverfahren: Warum frühe Planung zum Erfolgsfaktor wird
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Genehmigungsmanagement wird im Reifegradverfahren zum Erfolgsfaktor. Erfahren Sie, worauf Projektierer:innen beim Netzanschluss achten sollten.
Das Reifegradverfahren verändert die Anforderungen an Netzanschluss-Projekte. Für Projektierer:innen und Projektmanager:innen bedeutet das: Genehmigungsmanagement darf nicht erst beginnen, wenn die technische Planung abgeschlossen ist. Flächensicherung, Genehmigungsstrategie, technische Konzeption, Stakeholdereinbindung und belastbare Terminplanung müssen frühzeitig zusammengedacht werden.
Short Facts: Genehmigungsmanagement im Reifegradverfahren
Reifegradverfahren: Seit April 2026 werden bestimmte Anträge zum Anschluss an das Übertragungsnetz nicht mehr allein nach dem Eingangszeitpunkt priorisiert. Entscheidend ist vielmehr die gesamtheitliche Projektreife und Realisierungswahrscheinlichkeit. Das Verfahren betrifft unter anderem Großbatteriespeicher, Rechenzentren, Elektrolyseure und weitere große lastaufnehmende Verbraucher. Relevant sind insbesondere der Stand der Flächensicherung und der Genehmigung, das technische Anlagen- und Anschlusskonzept sowie die wirtschaftliche und fachliche Leistungsfähigkeit des Vorhabens.
Warum ist Genehmigungsmanagement wichtig? Die Genehmigungsstrategie sollte bereits in der frühen Projektphase entwickelt und eng mit der technischen Planung verzahnt werden.
Was ist bei der Zeitplanung entscheidend? Projektierer:innen sollten realistische Genehmigungszeiten inklusive angemessener Puffer einplanen. Gesetzliche Fristen entsprechen nicht automatisch der tatsächlichen Projektdauer.
Praxis-Tipp: Behörden frühzeitig als Verfahrenspartner:innen einbinden und den geplanten Genehmigungsweg, benötigte Unterlagen sowie den Zeit- und Meilensteinplan abstimmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Reifegradverfahren für Netzanschlüsse: Was sich für Projekte ändert
2. Genehmigungsmanagement wird zum strategischen Steuerungsinstrument
3. Genehmigungsstrategie und Zeitplanung müssen belastbar sein
4. Batteriespeicher: Der Genehmigungsweg ist eine strategische Entscheidung
5. Fazit: Genehmigungsmanagement wird zum Teil der Netzanschlussstrategie
Reifegradverfahren für Netzanschlüsse: Was sich für Projekte ändert
Großbatteriespeicher, Rechenzentren, Elektrolyseure und andere große lastaufnehmende Verbraucher stehen zunehmend in Konkurrenz um begrenzte Netzkapazitäten. Für Vorhaben mit Netzanschluss an das Übertragungsnetz verändert sich deshalb die bisherige Logik der Anschlussvergabe: An die Stelle einer alleinigen Priorisierung nach dem Prinzip „first come, first served“ tritt eine reifegradbasierte Bewertung.
Das Reifegradverfahren berücksichtigt nun, wie weit ein Projekt tatsächlich entwickelt ist und wie plausibel seine Realisierung erscheint. Hintergrund ist ein deutliches Missverhältnis zwischen den eingereichten Anschlussbegehren und der im Netzentwicklungsplan angenommenen mittleren Leistung. Ende 2025 waren mehr als 500 Anträge mit einer Gesamtleistung von rund 211 Gigawatt offen, während der Netzentwicklungsplan von einer Bandbreite zwischen 41,1 und 94,1 GW im genehmigten Szenariorahmen 2025-2037/2045 (für 2037 und 2045) ausging.
Das Verfahren bewertet die Anträge innerhalb definierter Zyklen. Der erste Zyklus startete am 1. April 2026 und umfasst zehn Monate: Auf eine dreimonatige Informations- und Antragsphase folgt eine fünfmonatige Prüfungsphase. In dieser werden die Projekte ausgewertet, in Clustern betrachtet und anhand ihres Reifegrads priorisiert. Anschließend schließt sich eine zweimonatige Angebotsphase für die weiteren Vertrags- und Anschlussfragen an.
Für Projektierer:innen verschiebt sich damit ein wesentlicher Teil der Projektarbeit nach vorne. Technische und genehmigungsfachliche Planung, Flächensicherung und belastbare Prognosen werden bereits früh zu Bestandteilen der strategischen Netzanschlussplanung. Der Reifegrad eines Projekts ist somit nicht auf einen einzelnen Aspekt beschränkt: Ein technisch ausgearbeitetes Vorhaben benötigt ebenso eine belastbare Fläche und eine nachvollziehbare Genehmigungsstrategie. Auch die wirtschaftliche und fachliche Leistungsfähigkeit des Vorhabenträgers spielt eine Rolle.
Genehmigungsmanagement wird zum strategischen Steuerungsinstrument
Für das Genehmigungsmanagement bedeutet diese Entwicklung einen grundlegenden Perspektivwechsel. Die Genehmigungsstrategie sollte nicht erst dann aufgesetzt werden, wenn die technische Planung weitgehend abgeschlossen ist. Stattdessen muss sie von Beginn an Teil der Projektentwicklung sein.
Eine belastbare Genehmigungsstrategie legt den Weg zur Genehmigungsfähigkeit frühzeitig fest. Sie schafft eine systematische Grundlage für die Planung, hilft bei der Identifikation von Risiken und richtet die beteiligten internen und externen Akteur:innen auf einen gemeinsamen Verfahrensweg aus. Damit wird Genehmigungsmanagement zu einem strategischen Steuerungsinstrument und nicht zu einer nachgelagerten administrativen Aufgabe.
Gerade die Verzahnung mit der technischen Planung ist entscheidend. In der Praxis besteht häufig die Gefahr, zunächst eine Anlage technisch zu konzipieren und erst anschließend zu prüfen, wie diese genehmigt werden kann. Stellt sich im Austausch mit den zuständigen Behörden heraus, dass technische Komponenten angepasst werden müssen, entstehen Verzögerungen. Diese können sich anschließend auf weitere Projektmeilensteine auswirken.
Deshalb sollten technische Planung und Genehmigungsplanung parallel entwickelt werden. Für das Projektmanagement bedeutet das eine engere Zusammenarbeit zwischen technischen Fachplaner:innen, Genehmigungsmanager:innen, Projektleitung und weiteren beteiligten Disziplinen. Frühzeitig sollten unter anderem folgende Fragen beantwortet werden: Welche Genehmigungen sind erforderlich? Welcher Verfahrensweg eignet sich für das konkrete Vorhaben? Welche Beschleunigungsoptionen gibt es? Welche Behörden müssen einbezogen werden? Welche Unterlagen und Gutachten werden benötigt? Und wie realistisch ist der daraus abgeleitete Zeitplan?
Auch die Flächensicherung gehört in diesen Zusammenhang. Im Reifegradverfahren ist relevant, wie weit die Sicherung der benötigten Flächen fortgeschritten ist. Ein abgeschlossener und idealerweise grundbuchlich gesicherter Vertrag ist dabei belastbarer als unverbindliche Gespräche mit Grundstückseigentümerinnen und -eigentümern.
Genehmigungsstrategie und Zeitplanung müssen belastbar sein
Genehmigungsmanagement beschränkt sich nicht auf die Frage, welche Zulassung am Ende benötigt wird. Entscheidend ist auch der Weg dorthin. Im Reifegradverfahren müssen die für das Projekt erforderlichen Genehmigungen dargestellt werden. Dazu können neben der eigentlichen Anlagenzulassung beispielsweise Genehmigungen für Umspannanlagen oder weitere projektbezogene Zulassungen gehören. Die Anschlussanbindungsleitung wird dagegen der technischen Darstellung zugeordnet.
Auch wenn das Antragsformular vergleichsweise kompakt sein kann, sollte dahinter eine deutlich detailliertere interne Planung stehen. Besonders relevant ist der Zeit- und Meilensteinplan. Projektierer:innen müssen einschätzen, wie lange die Erstellung der Antragsunterlagen dauert, welche Bearbeitungszeit die Behörde benötigt und welche weiteren Schritte bis zur Genehmigung erforderlich sind. Die im frühen Verfahren getroffenen Annahmen können später in Vertragsregelungen einfließen und werden im weiteren Projektverlauf wieder aufgegriffen.
Für das Projektmanagement liegt hier eine zentrale Herausforderung: Gesetzliche oder theoretische Verfahrensfristen entsprechen nicht automatisch der tatsächlichen Projektdauer. Selbst wenn für ein vereinfachtes BImSchG-Verfahren bestimmte Fristen gelten, können Vollständigkeitsprüfungen, Abstimmungen, Nachforderungen und die verfügbaren Kapazitäten der zuständigen Behörde den tatsächlichen Ablauf beeinflussen.
Ein belastbarer Zeitplan sollte deshalb nicht auf dem Best-Case-Szenario beruhen. Angemessene Puffer gehören von Anfang an in die Planung. Zu optimistische Annahmen können später zum Projektrisiko werden – insbesondere dann, wenn Termine in Anschluss- und Errichtungsverträge übernommen werden. Die Einhaltung vereinbarter Meilensteine kann für die Reservierung der Netzkapazität relevant sein. Ein professionelles Genehmigungsmanagement verbindet deshalb Verfahrenskenntnis mit aktivem Termin- und Risikomanagement. Ziel ist nicht, die kürzestmögliche Genehmigungsdauer anzusetzen, sondern einen Zeitplan zu entwickeln, der unter den konkreten Projektbedingungen tatsächlich tragfähig ist.
Batteriespeicher: Der Genehmigungsweg ist eine strategische Entscheidung
Bei Batteriespeichern zeigt sich besonders deutlich, wie eng Genehmigungsmanagement und Projektstrategie miteinander verbunden sind. Abhängig von der konkreten Ausgestaltung können unterschiedliche Genehmigungswege in Betracht kommen. Dazu gehören insbesondere die Baugenehmigung nach der jeweiligen Landesbauordnung, eine fakultative Planfeststellung nach dem Energiewirtschaftsgesetz sowie in bestimmten Konstellationen die Einbindung in ein BImSchG-Verfahren als Nebenanlage.
Die Baugenehmigung kann durch vergleichsweise kurze Verfahrensdauern und den Verzicht auf eine Öffentlichkeitsbeteiligung attraktiv sein. Gleichzeitig besitzt sie keine Konzentrationswirkung. Je nach Projekt können deshalb weitere Genehmigungen erforderlich werden. Eine enteignungsrechtliche Vorwirkung wie bei einer Planfeststellung besteht ebenfalls nicht.
Als Beschleunigungsinstrumente kommen unter anderem Teilbaugenehmigungen für vorgezogene Maßnahmen und ein Vorbescheid infrage. Mit einem Vorbescheid können wesentliche Fragen, etwa zur grundsätzlichen Zulässigkeit oder zum Standort, frühzeitig verbindlich geklärt werden. Er ersetzt allerdings nicht die eigentliche Baugenehmigung und berechtigt noch nicht zur Umsetzung des Vorhabens.
Für größere Batteriespeicher kann auch eine fakultative Planfeststellung nach dem EnWG strategisch interessant sein. Das Verfahren ist umfangreicher und bringt regelmäßig eine längere Verfahrensdauer sowie eine Öffentlichkeitsbeteiligung mit sich. Gleichzeitig kann die enteignungsrechtliche Vorwirkung einen entscheidenden Vorteil darstellen – insbesondere dann, wenn benötigte Flächen in unmittelbarer Nähe eines Umspannwerks nicht vollständig privatrechtlich gesichert werden können.
Die Wahl des Genehmigungswegs sollte deshalb nicht pauschal erfolgen. Standort, Flächensicherung, technische Ausgestaltung, erforderliche Fachgenehmigungen, zeitliche Zielsetzung und örtliche Verfahrensbedingungen müssen gemeinsam betrachtet werden. Genehmigungsmanagement wird damit zu einer strategischen Entscheidung bereits in der frühen Projektphase.
Fazit: Genehmigungsmanagement wird zum Teil der Netzanschlussstrategie
Das Reifegradverfahren verändert die Anforderungen an die Projektentwicklung insgesamt. Wer einen Netzanschluss an das Übertragungsnetz anstrebt, sollte die verschiedenen Projektbausteine nicht isoliert betrachten. Flächensicherung, technische Planung, Genehmigungsmanagement, Behördenabstimmung und Terminplanung müssen ineinandergreifen.
Ein erster Schwerpunkt liegt auf der frühzeitigen Sicherung der Flächen. Parallel dazu sollte die Genehmigungsfähigkeit des konkreten Standorts geprüft werden. Gerade bei Batteriespeichern ist die Standortfrage relevant, weil viele Vorhaben im Außenbereich und in räumlicher Nähe zu Umspannwerken geplant werden. Neue Privilegierungstatbestände können für Co-Location- und Standalone-Anlagen relevant sein. Greift keine entsprechende Privilegierung, kann die Aufstellung eines Bebauungsplans erforderlich werden – mit entsprechendem Zeitbedarf durch Beteiligungs- und Umweltprüfungen.
Zweitens sollten Projektierer:innen technische Planung und Genehmigungsstrategie synchron entwickeln. Drittens ist die frühzeitige Abstimmung mit den zuständigen Behörden entscheidend. Die Behörde sollte nicht lediglich als Abnahmestelle betrachtet werden, sondern als Verfahrenspartner. Frühzeitige Gespräche können helfen, Anforderungen, benötigte Unterlagen und realistische Bearbeitungszeiten besser einzuschätzen.
Viertens sollten mögliche Beschleunigungsinstrumente bereits bei der Wahl des Verfahrens geprüft werden. Je nach Genehmigungsweg kommen Vorbescheid, Teilgenehmigungen oder ein vorzeitiger Beginn infrage. Auch ein Projektmanager kann insbesondere bei komplexen Verfahren dazu beitragen, Abläufe zu strukturieren und Verzögerungen zu reduzieren.
Entscheidend ist schließlich eine realistische Gesamtplanung. Das Reifegradverfahren macht deutlich: Nicht allein die Idee oder ein früher Antrag zählen. Maßgeblich ist zunehmend, ob ein Projekt seinen Weg von der Flächensicherung über die technische Konzeption und das Genehmigungsmanagement bis zur tatsächlichen Realisierung plausibel darstellen kann.
FAQ: Häufige Fragen zum Genehmigungsmanagement im Reifegradverfahren
1. Was ist das Reifegradverfahren für Netzanschlüsse?
Das Reifegradverfahren ist ein Verfahren zur Priorisierung bestimmter Netzanschlussanträge an das Übertragungsnetz. Statt Anträge ausschließlich nach ihrem Eingangszeitpunkt zu bearbeiten, werden Projekte innerhalb definierter Zyklen bewertet und nach ihrem Reifegrad priorisiert. Dabei geht es insbesondere darum, Projekte mit einer hohen Realisierungswahrscheinlichkeit zu identifizieren.
2. Welche Rolle spielt Genehmigungsmanagement im Reifegradverfahren?
Genehmigungsmanagement wird zu einem wichtigen Bestandteil der strategischen Projektplanung. Die Genehmigungsstrategie sollte frühzeitig festlegen, wie die Genehmigungsfähigkeit des Projekts erreicht werden kann. Dazu gehören unter anderem die Auswahl des geeigneten Verfahrenswegs, die Identifikation erforderlicher Genehmigungen, die Abstimmung mit Behörden sowie die Planung von Unterlagen, Gutachten und Terminen.
3. Warum sollten technische Planung und Genehmigungsplanung parallel erfolgen?
Wenn zunächst ausschließlich die technische Planung vorangetrieben wird, kann sich später herausstellen, dass technische Komponenten für die Genehmigungsfähigkeit angepasst werden müssen. Das kann zu Verzögerungen führen. Deshalb sollten technische Planung und Genehmigungsplanung von Beginn an parallel und aufeinander abgestimmt entwickelt werden.
4. Wie wichtig ist die frühzeitige Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden?
Eine frühzeitige Abstimmung kann helfen, den Genehmigungsweg, erforderliche Unterlagen und realistische Bearbeitungszeiten besser einzuschätzen. Außerdem lassen sich zusätzliche Anforderungen – beispielsweise aus Umweltprüfung, Naturschutz, Raumordnung oder Denkmalschutz – frühzeitig erkennen. Die Behörde sollte deshalb als Verfahrenspartner:in und nicht lediglich als Abnahmestelle verstanden werden.
5. Welche Bedeutung hat die Zeitplanung für das Genehmigungsmanagement?
Eine realistische Zeitplanung ist ein zentraler Bestandteil des Genehmigungsmanagements. Entscheidend ist nicht die theoretisch kürzestmögliche Verfahrensdauer, sondern eine belastbare Planung, die beispielsweise Vollständigkeitsprüfungen, Abstimmungen, mögliche Nachforderungen und die tatsächlichen Kapazitäten der Behörden berücksichtigt. Angemessene Puffer sollten deshalb eingeplant werden.